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„Wir müssen aufhören, uns zu vergleichen!“ Ein Gespräch über Solidarität mit Leni und Cherrelle von KIDS OF THE DIASPORA

Von Nina Horcher

Passend zu unserem Leitspruch Solidarity, Sister! haben wir am 14.12. mit zwei Schwestern darüber gesprochen, wie Solidarität unter Frauen aussehen sollte, warum es hier noch Aufholbedarf gibt – und wie wir selbst im Alltag solidarisch zeigen können. Mit uns diskutiert haben Leni Charles und Cherrelle Olukemi, die Gründerinnen des poetic Fashionmovements KIDS OF THE DIASPORA.

 

Leni Charles ist selbständige Artdirektorin und Designerin. Cherrelle Olukemi ist ausgebildete Schauspielerin, Casting Directrice und leidenschaftliche Sängerin.

Solidarität statt Ellbogenmentalität

In diesem Jahr wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig Solidarität in der Gesellschaft und für jede einzelne und jeden einzelnen ist. Doch wie steht es um die Solidarität zwischen Frauen? Oft herrscht hier noch Luft nach oben, wenn es darum geht, sich gegenseitig zu supporten.

Eine Erfahrung, die auch Leni in ihrem Berufsleben gemacht hat. „Ich war damals angestellte Art Direktorin. Als eine freiberufliche ins Team kam, gab es plötzlich eine Ellbogenmentalität. Sie hat meine Expertise infrage gestellt, was mich sehr verletzt hat – vor allem, weil es von einer Frau kam.“

Gerade Frauen in höheren Positionen sollten sich ihrer Meinung nach gegenseitig mehr Empathie entgegenbringen und unterstützend sein, meint Leni.

Auch Cherrelle hat in ihrem beruflichen Umfeld manchmal ein Konkurrenzdenken von Frauen wahrgenommen. Ständiges Vergleichen trägt ihrer Meinung nach dazu bei, dass sich manche Frauen in einem Rennen gegeneinander wiederfinden. „Ich habe oft das Gefühl, dass sich eine Frau schneller bedroht fühlt von einer anderen, die ihr auf Augenhöhe begegnet, intelligent ist und nicht unterwürfig.“

Foto: Marko Mestrovic

Wir müssen aufhören, uns zu vergleichen“

Wie kommen wir weg von der Konkurrenz und hin zu mehr Solidarität? Indem wir im ersten Schritt aufhören, uns zu vergleichen und zu bewerten. Im beruflichen Umfeld gilt: Persönliche Themen ausblenden. Wichtig ist ein respektvolles Miteinander, das auf Gegenseitigkeit beruht. Und zwar über alle Positionen hinweg: „Als Chefin über mir und als Mitarbeiterin unter mir“, sagt Cherrelle. Für Leni ist dabei auch Kommunikation entscheidend: „Ein ehrliches Gespräch miteinander kann manchmal viel bewirken und eine andere Ebene schaffen.“

Solidarität interdisziplinär denken

Auf die Frage, wie wir female Solidarity auch im Alltag leben können, haben die Sisters eine klare Antwort: Solidarität interdisziplinär denken – also auch außerhalb der eigenen Bubble. Etwa für eine fremde Frau im Bus einstehen, wenn diese diskriminiert wird.

Das sollte auch bei einer Person nicht aufhören, mit der man in gewissen Bereichen vielleicht nicht so gut kann.

„Es geht bei Schwesternschaft darum, zu sagen: Wir sind beide Frauen, wir haben ähnliche Probleme und ich respektiere das. Alles andere wäre scheinheilig.“

Mit ihrem Label KIDS OF THE DIASPORA setzen Leni und Cherrelle immer wieder klare Statements für Solidarität und Empowerment von Minorities. Auch das sorgt in ihrer Community, ihrem sogenannten Soultribe, für Zusammenhalt.

„Wir haben gesellschaftspolitisch einen klaren Standpunkt und klare Werte, die wir nach außen kommunizieren“, so betonen Leni und Cherelle im Gespräch der Sisterhood-Stories.

Motherhood verbindet

Als Gründerin und Co-Gründerin von KIDS OF THE DIASPORA schätzen die beiden die Zusammenarbeit mit Frauen umso mehr, seit sie vor rund einem Jahr Mütter geworden sind. Bei einer längeren Kooperation, an der ausschließlich Frauen beteiligt waren, wurde female Solidarity spürbar, erzählt Leni: „Das war sehr schön, dass die uns das als frischgebackene Mamas zugetraut haben. Es war immer Verständnis dafür da, wenn bei Meetings auch mal ein Baby dabei war.“

Doch auch in der Mutterschaft ist Solidarität unter Frauen leider noch nicht selbstverständlich. Beide haben Erfahrungen mit Momshaming gemacht. Ihre Strategie: Die Tipps annehmen, aber auch klar sagen, wenn es zu viel ist.

Auf Bullshit-Phrasen kontern

„Mir ist aufgefallen, dass so ein Shaming oft von Leuten kommt, die den Frust auf jemand anderen übertragen, weil sie es bereuen, dass sie es anders gemacht haben. Oder sie halten es nicht aus, dass du nicht auch zu 100 Prozent selbstlos bist als Mutter, sondern deine Projekte weiter verfolgst“, sagt Cherrelle.

Auf Bullshit-Phrasen á la „Die Mutter gehört zum Kind, nicht ins Büro“hat sie eine klare Antwort: „‘Bitte lass mich in Ruhe‘ würde ich kontern. Denn solche Gespräche sind kräfteraubender als die Arbeit selbst.“

Wichtig ist, am Ende sich selbst treu zu bleiben – also auch den eigenen Werten gegenüber solidarisch zu sein.

Neugierig geworden? Dann schau mal auf der Seite von KIDS OF DIASPORA vorbei!