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WHO CARES? Mental Health am Arbeitspatz – Nachbericht zur Online-Diskussion

Wir brechen das Tabu: Mental Health am Arbeitsplatz

Nachbericht zur zweiten Sorority Onlinediskussion

von Miriam Ressi

Den Großteil unserer täglichen 24 Stunden verbringen viele von uns an ihrem Arbeitsplatz. Dem Job wird darüber hinaus in unserer leistungsorientierten Gesellschaft viel Wert zugeschrieben. Was aber, wenn wir an Depressionen, Panikattacken oder Burn Out leiden? Psychische Krankheiten sind – besonders im Beruf – immer noch ein großes Tabu-Thema. Die Sorority nimmt deshalb die zweite Online-Veranstaltung der Reihe Who Cares zum Anlass, den Zusammenhang Mental Health am Arbeitsplatz ins Rampenlicht zu rücken.

Mit uns diskutiert haben Psychotherapeutin, Psychologin und Leiterin von Brainspotting Austria Monika Baumann und Beatrice Frasl, Kulturwissenschafterin, Podcasterin und Aktivistin.

Endlich spricht jemand darüber

„Es rennen einem die Leute gefühlt die Türe ein, wenn man das Thema psychische Gesundheit anspricht“, erzählt Beatrice von ihren Erfahrungen. Auf ihrem Instagram Account gibt sie der Thematik eine Plattform: „Viele Menschen denken, dass sie mit ihrem Problem allein sind“, meint die Aktivistin im Gespräch – und das, obwohl jede*r vierte Österreicher*in beispielsweise schon einmal von Depression betroffen war. Monika betont, dass Sie als Psychologin sich zusätzliche Krankenkassenplätze wünscht, damit mehr Menschen Unterstützung bekommen. Das Hinschauen auf Symptome ist wesentlich, denn auch wenn Lebensumstände wie ein eher nicht so toller Arbeitsplatz unsere Situation verschlechtern können, so liegen die Gründe für Krisen doch oft in unserer Vergangenheit – und die gilt es auszugraben!

Das Dilemma der Unsichtbarkeit

„Ich bin nicht mehr so leistungsfähig, ich bin deprimiert, die anderen tuscheln schon und keiner traut sich zu fragen“. Das ist wohl das große Dilemma, mit dem viele Menschen kämpfen. Im Gegensatz zu einem gebrochenen Fuß oder Grippesymptomen sind psychische Krankheiten auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Betroffene sehen sich zusätzlich zu ihrer Krankheit deshalb häufig mit Scham- und Schuldgefühlen konfrontiert. Viele haben Bedenken, sich wegen einer psychischen Erkrankung arbeitsunfähig schreiben zu lassen . Sie gehen oft trotz großer psychischer Belastung weiter ihrer Tätigkeit nach – ein Teufelskreis in einer Gesellschaft, die dem „Leistungsfetisch verfallen ist“.

Generell rät Beatrice, sich immer den Vergleich vor Augen zu halten: Wie würde ich damit umgehen, wenn es sich um eine physische Krankheit handeln würde?

Sie selbst hat für sich früh nach ihrer Diagnose: Depression eine Entscheidung getroffen: „Sicher nicht, ich schäme mich nicht dafür.“ Ein wichtiger Schritt, meint Monika Baumann: „,Wenn die psychische Erkrankung am Arbeitsplatz offen angesprochen wird, kann man einerseits viel früher etwas tun, andererseits nimmt es den Stress für Betroffene und die Unsicherheit für das Umfeld“.

Nicht immer ist man allerdings in der glücklichen Situation, in einem verständnisvollen Arbeitsumfeld tätig zu sein. Dann helfe oft nur, sich professionelle Hilfe zu suchen, empfiehlt Monika. „Je früher, desto besser“.

Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung

Am Ende der Diskussion betont Beatrice, dass psychische Erkrankungen oft eng mit strukturellen Faktoren verwoben sind: „Es gibt bestimmte Arbeitsverhältnisse, bestimmte Lebensbedingungen, bestimmte Belastungsfaktoren im Leben von Menschen, die auf bestimmte Gruppen eher zutreffen und die eher zu der Entwicklung von so großen Belastungen führen“ (siehe auch Gender-Gesundheitsbericht 2019). „Deshalb ist Mental Health Arbeit immer auch feministische, antirassistische und antikapitalistische Arbeit“. Monika unterstreicht, das beste Mittel gegen diese Problematik ist, Tabus zu brechen, also ruhig auch mal in einer Kaffeepause über Therapie und persönliche Erfahrung sprechen, denn das setzt die Hemmschwelle herab. Aufklärungsarbeit, möglichst breit und möglichst laut!

Und wie immer: Solidarity, Sisters*!

Die Diskussion gibt es hier zum Nachsehen.

Die Veranstaltung fand im Rahmen unseres Schwerpunkts “WHO CARES?” statt.

WHO CAREs

Take Aways:

– Du bist nicht alleine!

– Eine psychische Erkrankung ist nichts, wofür man sich schämen muss: Wenn man bei einer Grippe zur Ärztin geht, gilt das auch bei einer psychischen Krankheit!

– Enttabuisieren, Schweigen brechen

– Offener Umgang mit psychischen Krankheiten am Arbeitsplatz nimmt Hemmungen und Stress

– Früh Hilfe suchen!

 

– mehr Infos findest du hier:
Hilfe auf dem Weg aus der Krise:

Brainspotting-Austria

Psychotherapeutischer Bereitschaftsdienst

Psychosozialer Dienst

 

für Student*innen:

ÖH-Helpline

Psychologische Studierendenberatung

Unterstützung bei psychischen Belastungen durch die Corona-Krise:

Psychotherapie-Helpline (0720 12 00 12)

du möchtest mehr über das Thema wissen?

Gender-Gesundheitsbericht Schwerpunkt Psychische Gesundheit am Beispiel Depression und Suizid 2019

Psychisch krank im Job. Was tun?