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Covid-19: Baba, Gleichberechtigung?! – Nachbericht zur Online-Diskussion

Die Corona-Krise ist nicht nur eine Krise der Gesundheit, sie legt auch altbekannte Wunden in der Gleichberechtigung zwischen Männer und Frauen offen. Zwischen Kochen, Putzen, Kinderbetreuung und Home-Office haben wir uns gefragt: Wie verhindern wir, dass uns die Corona-Krise im feministischen Kampf um Jahrzehnte zurückwirft?

Um diese Frage zu beantworten, haben wir drei Expertinnen zur ersten Online-Diskussion der Sorority geladen: Katharina Mader, Ökonomin an der Wirtschaftsuniversität Wien, Ingrid Moritz von der Abteilung Frauen und Familie der Arbeiterkammer Wien und Ulrike Zartler-Griessl, Soziologin an der Uni Wien.

Gleich zu Beginn der Diskussion stellt Mader etwas klar: „Das Narrativ, dass uns alle diese Krise gleich trifft, stimmt nicht.“ Menschen mit weniger Einkommen, unsicheren Jobs sind stärker betroffen und gerade Frauen leiden aktuell an einer Doppel- und Dreifachbelastung. „Nach Krisen wird dann oft erstmal an die Männer gedacht“, sagt sie. Denn diese gelten immer noch als die „Ernährer“, die Frauen als „Zuverdienerinnen“.

Katharina Mader

Katharina Mader, Ökonomin an der Wirtschaftsuniversität Wien

„Was sonst in der Schule gelernt wird, wird nun den Frauen umgehängt“, sagt Moritz und kritisiert, dass die Regierung noch keinen Plan zum Hochfahren der Kinderbetreuung vorgestellt hat. Frauen übernehmen nun die Arbeit, die in unserer Gesellschaft oft ausgelagert wird – unbezahlt. Dazu kommt, dass Frauen, die ihren Lebensunterhalt in der Schattenwirtschaft bestritten haben, jetzt um ihr Geld umfallen. „Illegal beschäftigte Reinigungskräfte, Sexarbeiterinnen, die nicht in ihre Herkunftsländer zurück können, stehen teils ohne Wohnung und Geld da“, sagt Moritz.

Ingrid Moritz

Ingrid Moritz, Abteilung Frauen und Familie an der Arbeiterkammer Wien

Zartler-Griess arbeitet an einer Studie zu den Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf Familien. „Sie stehen vor enormen Herausforderungen“, sagt sie, „vor allem Alleinerziehende, die schon vor der Krise ein doppelt so hohes Armutsrisiko haben.“ Sie warnt außerdem vor einer „Gewaltspirale, die sich in Gang setzen kann“, wenn Konflikte in Familien ohne Ausweichmöglichkeit eskalieren.

Ulrike Zartler-Griess

Ulrike Zartler-Griess, Soziologin an der Universität Wien

Die Situation ist schwierig, da sind sich die drei Expertinnen einig. Noch ist aber nichts verloren. Die Corona-Krise bietet nämlich auch Chancen. Ein positiver Effekt ist etwa die Sichtbarkeit von Berufen, die sonst nicht im Rampenlicht stehen: Supermarktmitarbeiter*innen und Krankenpfleger*innen bekommen endlich Aufmerksamkeit. Was also tun, damit wir einen konservativen Backlash zu verhindern und vielleicht sogar etwas zum Positiven zu verändern?

Vorschläge der Expertinnen

Arbeit, die vor allem Frauen machen, sollen während und nach der Krise neu bewertet und auch unbezahlte Arbeit vor den Vorhang geholt werden. Sichtbarkeit können wir auch im Alltag schaffen, wenn wir die Kinder während der Online-Meetings nicht verstecken. Die Arbeitsbedingungen – gerade von Frauen – sollen ruhig sichtbar sein. In der akuten Situation ist es besonders wichtig, dass bald ein Plan kommt, wie es mit den Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen weitergeht. Wann werden sie wieder aufmachen können? Außerdem sind wir alle dazu aufgerufen, uns Gedanken zu machen, auf welche Gruppen in der Krise vergessen wird und wie wir diese sichtbar machen können.

Und wie immer: Solidarity, Sisters*!

Die Diskussion gibt es hier zum Nachsehen.

Die Veranstaltung fand im Rahmen unseres Schwerpunkts „WHO CARES?“ statt.