THE:Interview – Flintaxi-Gründerin Sima D.

“Flintaxi”-Gründerin Sima D.

Mit „Flintaxi“ will die Wiener Lehrerin Sima D. Menschen eine Alternative bieten, die sich nachts in Taxis unwohl fühlen. Im Gespräch erzählt sie, warum viele Fahrgäste aus Angst zwei Straßen früher aussteigen und weshalb sie problematische Fahrer*innen lieber schulen als ausschließen will.

Viele Menschen steigen bei dir mit sichtbarer Erleichterung ins Taxi. Was erzählen sie dir?

Viele Frauen steigen sichtbar erleichtert ein. Manche sagen sofort: „Ich bin froh, dass du eine Frau bist.“ Da ist für mich klar: Das Angebot hat es schon lange gebraucht – dass Abends oder Nachts Frauen im Taxi unterwegs sind. Andere erzählen von unangenehmen Erfahrungen mit Taxifahrern oder sagen, dass sie sich nachts grundsätzlich unwohl fühlen, mit einem fremden Mann in einem Auto alleine zu sein.

Wie kam es zur Gründung von Flintaxi? 

Ich bin immer schon abends selbst mit dem Mietauto gefahren, damit ich nicht mit dem Taxi nach Hause fahren muss. Dann haben mich immer mehr Freund*innen gefragt, ob ich sie mitnehmen kann. Ich habe gesehen, dass irgendwie niemand mit dem Taxi oder der U-Bahn in der Nacht fahren möchte. Ich dachte mir: Da ist wohl irgendwas in den Taxis los, dass sich Leute unwohl fühlen.

Was berichten dir Menschen über Fahrten? 

Frauen erzählen mir, dass Taxifahrer ihre Nummer wollten oder mit ihnen ausgestiegen sind und mit in ihre Wohnung kommen wollten. Manche steigen absichtlich zwei Straßen früher aus, damit niemand ihre Adresse kennt. Eine trans Person berichtete mir von Beleidigungen, einem körperlichen Übergriff und davon, aus dem Taxi geworfen worden zu sein. Es ist wohl eine ständige Angst da, auch wenn nichts passiert, das man anzeigen könnte.

War für dich sofort klar, dass daraus ein Unternehmen werden soll? 

Ich bin zuerst als Fahrerin für anderen Taxi-Unternehmen unterwegs gewesen, habe Kund*innen über Apps oder Menschen vom Straßenrand aufgenommen. Die Frauen reagierten erleichtert mit mir hinter dem Lenkrad. Ich wollte üben und sehen, ob das etwas für mich als Nebenjob ist. Um meine Idee des „Flintaxi“ durchzubringen, musste ich das Unternehmen gründen. Ich wollte FLINTA-Personen als Fahrer*innen anstellen. 

Es sind also noch nicht viele Frauen als Taxifahrerinnen unterwegs? 

Ich glaube, dass die meisten nicht Taxilenkerin sein wollen, weil sie nicht unbedingt mit fremden Menschen fahren möchten. Wenn sie die Möglichkeit haben, mit jemandem zu fahren, der überprüfbar ist und wo Beschwerden ernst genommen werden würden sich sicher auch mehr FLINTA*Personen hinter das Steuer setzen.

Du machst alle Fahrten alleine?

Ich mache gerade als einzige Frau alle Fahrten aber ich habe mittlerweile einen alten Familienbekannten in Pension eingestellt. So habe ich weniger Druck. Ich frage dann die Kund*innen vorab, ob es okay ist, wenn mein Kollege die Fahrt übernimmt. Das war bisher nie ein Problem.

Wenn in Zukunft mehr Menschen für Flintaxi unterwegs sind, möchte ich, dass man sich beschweren kann, falls mal trotzdem etwas Unpassendes passiert. Ich will keine Ausschlusskultur pflegen, sondern eine Schulungskultur. Quasi: „Work against the Patriarchy“ Wir sind keine geschlossene FLINTA*-Gruppe, sondern holen mehr Leute ins Boot. Klar, es braucht separate Räume, wo diese Trennung stattfinden, wie Frauenhäuser, aber „Flintaxi“ soll ein Schritt in die Richtung „Gemeinsam gegen das Patriarchat“ sein.

Dahinter steckt also auch eine gesellschaftliche Frage?

Ja. Wenn ich manche Taxifahrer sehe, die heute am Steuer sitzen, sind viel Schulungspotenzial in Sachen Antidiskriminierung und Toleranz. Wenn sie unpassende Fragen stellen, kommt das ja von irgendwo. Schließe ich sie aus oder schule ich sie? Ich finde es gut zu sagen: Die kriegen eine Chance, sich zu verbessern. Vielleicht kommt das auch aus meinem Beruf als Lehrerin. Ich versuche meine Schüler*innen auch eher aufzuklären, statt sofort auszuschließen.

Mir ist wichtig zu sagen, dass ich Taxifahrer nicht per se verurteile. Ich bin selbst schon im Taxi mitgefahren und hatte auch noch nie eine unsichere Situation. Die meisten Taxifahrten verlaufen wahrscheinlich problemlos. Aber „Flintaxi“ ist eine gute Möglichkeit für Personen, die schon einmal eine schlechte Erfahrung gemacht haben und nicht noch ein zweites Mal eine gefährliche Situation riskieren wollen. Ein schlechtes Erlebnis prägt.

Welche Zukunftspläne hast du für „Flintaxi“? 

Der nächste große Schritt ist eine eigene App, mit der man uns buchen kann. Ich habe dafür aktuell auf meiner Homepage einen Crowdfunding-Link veröffentlicht. Ich werde wohl nie großen Taxiunternehmen Konkurrenz machen, aber die, die sich unsicher fühlen oder die wollen, dass ihre 14-jährige Tochter sicher heimkommt – genau dafür soll „Flintaxi“ da sein. Ich will, dass die Leute wissen: Wenn es ein Problem gibt, gibt es auch Konsequenzen.

 

geschrieben von Beatrix Kouba

 

 

Quellen und Informationen: 

https://www.flintaxi.at/