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Review: Pussy Pairs – what’s that?

von Julia Heiligenbrunner.

Penisse sind immer und überall. Das männliche Geschlecht verziert schon Klowände in Volksschulen und im Winter jedes dritte beschneite Auto. Eine anatomisch korrekte Vulva [= das gesamte äußere Genital der Frau, das den Venushügel, die kleinen und großen Schamlippen, den Scheidenvorhof sowie die Klitoris umfasst] können dagegen selbst die meisten Erwachsenen nicht zeichnen. Wenn dann aber Frauen Schmuck machen, der Vulven feiert oder es Mandalas gibt, die wir ausmalen können, ist der Aufschrei noch immer lang und laut.

Fazit: Es ist hierzulande nicht im geringsten schambehaftet ein männliches Geschlechtsteil auf fremde Wände oder Autos zu zeichnen, während bei unaufgeregter Sichtbarmachung weiblicher Genitalien Nachholbedarf herrscht. Es geht nicht darum, ständig und überall diese Geschlechtsteile zu präsentieren, sondern um die Glorifizierung des männlichen Geschlechts, während das weibliche versteckt und verschwiegen wird, als ob es weniger wunderbar wäre oder etwas wofür es sich zu schämen gilt….

Dem entgegen stellen sich in den letzten Jahren unterschiedliche Projekte, und ein solches möchten wir euch heute vorstellen: Das von Gloria Dimmel entwickelte Spiel Pussy Pairs. Wir haben es für euch getestet, Gloria ein paar Fragen gestellt und jetzt kommt, was wir dazu zu sagen haben.

Pussy Pairs ist auf jeden Fall ein Geschenk, das für Aufsehen sorgt. Das etwas andere Memory ist ästhetisch und gut verarbeitet. Jeweils zusammengehörige Bildpaare zu finden ist für das ungeübte Auge nicht ganz leicht, wodurch Pussy Pairs aber auch nach mehrmaligem Spielen spannend bleibt. Dass es anfangs vielleicht etwas dauert, bis man zwei passende Vulven entdeckt, unterstreicht auf grandios subtile Weise die Ähnlichkeiten, wie gleichartig und dann doch wieder ganz verschieden alle Frauen*körper sind. We love it!

Außerdem ist es fein, dass es in der EU produziert wird. Wie es dazu kam?

„Eine der größten Schwierigkeiten bei der Planung/Umsetzung war es, einen Produzenten zu finden, zumal die außergewöhnliche Produktion der runden Schachtel und Kärtchen sehr teuer ist. Der Verlag hat sich nach langen Diskussionen entschieden, in China zu produzieren, weil es dort eine höhere Dichte von erfahrenen Spieleherstellern gibt. Aber dann hat sich das chinesische Kulturministerium eingemischt und die Produktion verboten. Damit ist die Suche in Europa weitergegangen und hat schließlich in Polen geendet.“

Warum sind alle Abdrücke haarlos?

Die Bilder auf den Kärtchen sind Fotos von Gipsabdrücken – deshalb sind alle haarlos. Ein Abdruck mit Haaren wäre relativ schwierig, frau müsste diese beispielsweise mit einer rückfettenden Creme einschmieren, damit sie beim Abziehen der Formmasse nicht ausgerissen werden.
„Letztendlich ist das ein generelles Problem von Gipsabdrücken, die natürlich den falschen Eindruck vermitteln, Menschen mit Vulva wären immer rasiert. Die Rasur ist für die meisten Teilnehmer*innen meines Projekts die größte Hürde. Dennoch finde ich, dass auf diese Weise die Vulvalippen in den Vordergrund rücken.“

Warum ist die Erstauflage nicht so divers wie die Zukunft werden wird?

Gloria Dimmel hat Pussy Pairs aus ihrem ursprünglichen Gipsskulpturenprojekt entwickelt und dafür bestehende Skulpturen – das waren damals zirka 50 Stück – ausgewählt. Bei mittlerweile mehr als 400 Teilnehmer*innen hat sich das Spektrum natürlich enorm erweitert. Gloria möcht also für eine zukünftige Neuauflage versuchen, etwa auch Frauen* mit weiblicher Genitalverstümmelung für ihr Projekt zu gewinnen, um die Diversität von Vulven noch mehr zu unterstreichen und aufzuzeigen.

Kann frau/man das öffentlich oder mit der ganzen Familie spielen?

In Hinblick auf die Sichtbarkeit und Reduktion der Scham, wenn es um das Abbild oder Benennen des weiblichen Geschlechts geht: auf jeden Fall, ja bitte! Schenkt es zum Polterabend und spielt es in der Bar, bringt es zur nächsten Grillfeier. Denn

„Auch wenn man das Spiel nicht hundertprozentig ernstnimmt, kommt man doch mit dem Thema in Berührung und das ist der erste Schritt Richtung Normalisierung.

Wenn „Mumury“ oder „Pussy Pairs“ nicht deinem persönlichen Wortschatz entspricht: feel free to call it whatever you like: Vulven-Memory, Lippenspiel, … 😉

Wo kriegst du Pussy Pairs?

https://shop.achseverlag.com/produkt/pussy-pairs/

und bei ausgewählten Händler*innen in Wien haben wir es auch schon gesehen.