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Hero*ine des Monats – Ilaria Capua

Nad Micoli - Eigenes Werk Ilaria Capua CC BY-SA 3.0

von Melinda Tamás

Seit Mitte März begleitet uns alle ein neuer Name: der des Virus Covid-19, auch genannt das neuartige Coronavirus. Schwere Pandemien gleichen Naturkatastrophen. Sie richten großen wirtschaftlichen Schaden an und kosten viele Menschenleben.

Eine unbeirrbare Kämpferin gegen – nicht nur, aber auch dieses – Virus ist die in Italien geborene und in den USA lebende Virologin Ilaria Capua.

Viel Eigensinn und noch mehr Ausdauer!

In ihrer Arbeit musste sie lernen, nicht nur dem Virus, sondern auch jeglicher übler Form von Macht die Stirn zu bieten. Sie wird nicht müde zu kämpfen und nutzt Krisen wie diese als Möglichkeit zur Konfrontation und Transformation. Immer bleibt sie dabei couragiert, ehrlich und partizipativ.

Die studierte Veterinärmedizin und Forscherin war einige Zeit Leiterin des EU-Referenzlabors in Padua zur Erforschung der Vogelgrippe.

Im Jahr 2006 gelang es ihr, den Code einer Form von Vogelgrippeviren des damals aktuell kursierenden Influenza-A-Virus H5N1 zu entschlüsseln. Die Sterblichkeitsrate war erschreckend hoch, Schlimmeres konnte verhindert werden: durch die Entschlüsselung des genetischen Codes kam es nicht zum Übergreifen auf den Menschen.

Solidarität statt Exklusivität

Verlockende Angebote schlug sie solidarisch aus. Zum Beispiel jenes der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die ihr anbot, ihre Erkenntnisse auf eine interne Datenbank mit Exklusivzugriff für weltweit 20 Labore  zu speichern. Für sie und ihr Labor ein großer möglicher Karriereschritt!

Ilaria Capua entschied sich gegen die gängigen kompetitiven Praktiken in der Wissenschaft. Das Teilen von Wissen und somit das Wohl aller Menschen war ihr wichtiger. Als Best-Practice-Beispiel für die Datenliberalität in der globalen Forscher*innen-Community veröffentlichte sie ihre Forschungsergebnisse einfach online im Internet, für jede*n zugänglich.

Die Mühlen der Macht und der Konkurrenz mahlten natürlich weiter, nachdem sie mutig ihre Karriere riskiert hatte. Zudem begab sie sich auch in die italienische Politik.

Sie wurde nicht nur von der WHO verwarnt, sondern auch von Kolleg*innen angefeindet. Ein Detail am Rande: Interessanterweise erweiterte die WHO inzwischen selbst die öffentliche Zugänglichkeit zu den entsprechenden Daten und feierte das 2020.

Bequem ist anders

Im Jahr 2013 beschuldigte sie ein Staatsanwalt des Schwarzhandels mit Viren und der Verursachung einer Epidemie. Drei Jahre später wurde das Verfahren gegen sie eingestellt, weil die Vorwürfe sich als haltlos erwiesen.

Ilaria Capua hat 2016 Italien verlassen, um in den USA zu forschen. 

Trotz aller Schwierigkeiten oder gerade deswegen stellte sich Ilaria Capua zu Beginn der Coronakrise aber wieder in ihrem Heimatland Italien in den Dienst der Menschen!

Capua ist (Mit-)Autorin von über 230 wissenschaftlichen Fachartikeln. Immer wieder teilt sie ihr Wissen via Fernsehen und Live-Videoübertragungen. Eines ihrer größten Talente ist dabei die niederschwellige Vermittlung aktueller Forschung und Wissenschaft.

Ihre Forschungsergebnisse und Entdeckungen von 2006 bilden übrigens die Grundlage für die aktuelle weltweite Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus. 

Nad Micoli - Eigenes Werk Ilaria Capua CC BY-SA 3.0

Nad Micoli – Eigenes Werk Ilaria Capua CC BY-SA 3.0

In ihrem Buch: „Salute circolare“ schrieb sie bereits letztes Jahr:

Wir leben in einem geschlossenen System, in dem nichts ausgeschlossen ist, nichts und niemand voneinander getrennt“.

Wir stimmen diesem Satz nicht nur in Zeiten von Epidemien zu. Solidarity, Sister!