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Zerrissen zwischen Job und Kind: Wie können wir die Situation für Alleinerzieherinnen verbessern?

Nachbericht zur Sorority Online-Diskussion // Who Cares?

Screenshot Online-Diskussion, cc-by Sorority.at

Zerrissenheit zwischen Job und Kind: Im Rahmen unseres Jahresschwerpunktes Who Cares diskutierten wir gestern über die Situation von Alleinerzieherinnen*, die durch die Corona-Pandemie vor eine besonders große Herausforderung gestellt werden. Mit uns debattiert haben Katharina Mader (Wirtschaftsuniversität Wien), Katharina Braun, (Anwältin und Expertin bei Unterhaltsfragen) sowie Alleinerzieherin und Vorständin der FEMA (Feministische Alleinerzieherinnen) Sabine Aichorn. Andrea Czak, Obfrau der FEMA, moderierte den Abend.

„Freizeit sowieso kein Thema“

Wie haben sich Mehrfachbelastungen durch die Corona-Pandemie für Erwerbstätige verändert? Das war die Ausgangsfrage für eine Corona-Zeitverwendungsstudie der Wirtschaftsuniversität Wien und der Arbeiterkammer Wien. Das wenig überraschende Ergebnis: Frauen* leisten den überproportionalen Teil der unbezahlten Arbeit. Das trifft Alleinerzieherinnen* ebenso wie Frauen* in Paarbeziehungen. Alleinerzieherinnen* kommen auf  15 Stunden Arbeit pro Tag, wovon 9 Stunden auf unbezahlte Arbeit entfallen. Auch bei Frauen* in Paarbeziehungen steigt der Anteil der unbezahlten Arbeit beträchtlich an: Sogar 9,5 Stunden werden hier mit Kinderbetreuung und Hausarbeit verbracht.

Eine der größten Herausforderungen stellt sich für Alleinerzieherinnen dabei, sich auf ihre Erwerbsarbeit konzentrieren zu können: Oft fehlt ein eigenes Arbeitszimmer, was für sie die Trennung zwischen Job und Kind im Homeoffice schwieriger macht. „Freizeit war sowieso kein Thema“, resümiert Katharina Mader lakonisch.

Das kann Alleinerzieherin Sabine Aichorn bestätigen: „Ich habe das Gefühl, seit ich ein Kind habe, trifft mich die Ungleichheit zwischen Mann und Frau mit voller Wucht“. Auch bei unserer Diskussionsrunde lassen sich die Ergebnisse der Corona-Zeitverwendungsstudie in Echtzeit beobachten: Während des Zoom-Gespräches muss die Alleinerzieherin kurz unterbrechen, um sich um ihre Tochter zu kümmern: Niemand hält ihr bei wichtigen Terminen den Rücken frei.

© Photo by Ketut Subiyanto from Pexels

Wenn unbezahlte Arbeit nichts wert ist

Fehlende Geschlechtergerechtigkeit findet sich nicht nur im Bereich der Arbeitszeitverteilung, sondern dementsprechend auch in Form von Einkommensunterschieden zwischen Frauen* und Männern*. Wer weniger bezahlte Arbeit leistet, bekommt dementsprechend weniger Gehalt. Hinzu kommt, dass Frauen* in Österreich durchschnittlich 20% weniger Lohn erhalten als ihre männlichen Kollegen. Was spezifisch Alleinerzieherinnen* trifft,  sind Unterschiede bei Unterhaltsbeträgen. Anwältin Katharina Braun dazu: „Frauen*, die bis dato viel beim Kind waren und deshalb auch weniger verdienen, bekommen nur wenig Unterhalt“.

Kinder solle man nicht als reine Privatsache sehen, ergänzt Sabine Aichorn. Arbeiten wie Kinderbetreuung oder Hausarbeit sind unabdingbar, aber seien gesellschaftlich nichts wert: „Man sollte bezahlte und unbezahlte Arbeit nicht gegeneinander ausspielen. Schließlich fußt die Wirtschaft auf unbezahlter Arbeit“.

Eine Studie von Katharina Mader aus dem Jahr 2019 zeigt, welche Auswirkungen fehlende Geschlechtergerechtigkeit für alleinerziehende Mütter haben kann: „46% der Alleinerzieherinnen* sind armutsgefährdet und das, obwohl sie im Durchschnitt mehr erwerbstätig sind als alle anderen Mütter“. Ein Vergleich von Singlehaushalten zeigt: Männliche Singlehaushalte mit Kind kommen – auch im Vergleich zu Paaren – auf das höchste Vermögen, während alleinerziehende Mütter über das niedrigste Vermögensniveau verfügen. Sie haben, so Mader, sogar noch weniger Vermögen als Frauen, die erst am Beginn ihrer Karriere stehen oder Mindestpension beziehen.

What can we do?

Die Diskussionsrunde zeigt: Wege, um eine gerechtere Situation für Alleinerzieherinnen* zu schaffen, gäbe es viele: Von Pensionssplitting und Ausbau der Kinderbetreuung über Reform des Unterhaltsvertrages und gerechter Entlohnung bis hin zu Frauenstreiks wie jene in der Schweiz 2019, um unbezahlte Arbeit für alle sicht- und spürbar zu machen. Druck brauche es allerdings vor allem politisch von oben, meint Katharina Braun.

Was wir brauchen, ist eine neue Dohnal!

 

Diese Diskussion hat in Kooperation mit FEMA Verein Feministische Alleinerzieherinnen stattgefunden.