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Nachbericht zum Anti-Rassismus Workshop: Let’s Talk About Racism mit Ellen Wagner

von Melinda Tamás

Rassismus entgegenzutreten ist selbst für diejenigen (nicht-betroffenen) Personen die Rassismus ablehnen nicht immer einfach; auch, weil wir in einem System leben, in dem Rassismus strukturell konstruiert und aufrechterhalten wird.

Wir haben kein anderes Konzept vermittelt bekommen, als ein rassistisches. Unsere Sichtweise ist von einem weißen Blick geprägt, unsere Geschichtsvermittlung, Literatur und Sprache durchdrungen von rassistischen Strukturen.

Deshalb denken wir selten darüber nach, bzw. merken es oft nicht einmal, wie rassistisch wir denken, reden und agieren.

Ellen Wagner hat uns in ihrem Workshop: „Let’s Talk About Racism“ gezeigt wie rassismuskritisches Denken gelingen kann, warum es wichtig ist, über eigene Rassismen und über eigene Privilegien zu reflektieren, und was wir alle im Alltag gegen Rassismus tun können. Und sollten!

 

Ellen Wagner versteht sich als Brücke zwischen diskriminierten Gruppen und Menschen die versuchen möchten, die Ursachen von Alltags-Rassismus und Diskriminierung durch White Privilege und Stereotype zu entlarven.

Der Brückenschlag ist ihr in diesem Workshop gelungen. Ohne Fingerhieb – denn Ellen Wagner ging es, trotz zahlreicher Gelegenheiten, Rassismus am eigenen Leib zu erfahren, keine Sekunde lang um Schuldzuweisungen – sondern vielmehr mit unerschütterlicher Zuversicht, dass wir alle zu einer antirassistischen Gesellschaft beitragen können.

Who can have a voice?

Sie zeigte exemplarisch Beispiele von Diskriminierung auf, die zum Nachdenken anregten, und – wie das bei Lernen von neuen Sachen oft so ist – die Teilnehmenden aus der eigenen Komfortzone hoben.

Zu Beginn beschäftigten wir uns in einer Einzelübung mit der Frage: „Wer bin ich…“ Und in welchem Kontext werde ich wann, von wem, wie gesehen/gelesen? Wer wird wann von wem „Deutsch“ oder „Österreichisch“ gelesen, wer schreibt wem die Zugehörigkeit ab und wie fühlen sich Menschen, die sich aufgrund ihrer Hautfarbe täglich ihre Daseinsberechtigung erkämpfen müssen?

Wessen Haut ist eigentlich „hautfarben?“

Das Bewusstmachen und Erkennen eigener Privilegien ist wohl eines der größten Schwierigkeiten. Ein Privileg ist ein Vorteil, den eine Person in einem sozialen Umfeld gegenüber anderen hat, ohne dafür etwas getan zu haben.

Das Weißsein ist in Österreich (und vielerorts) ein Privileg. Mit dem Weißsein sind weitere Privilegien und Macht verknüpft. Dieses Privileg zu sehen ist für weiße Menschen nicht selbstverständlich, denn hier wurde Weißsein zur Norm erklärt. Wenn jedoch Weißsein und die damit einhergehenden Privilegien ignoriert und als nicht für das eigene Leben relevant eingestuft werden, wird so getan, als würde der Rassismus nicht existieren.

Die meisten weißen Menschen, mit denen ich in meinem Alltag zu tun habe, halten sich für Nicht-Rassist*innen. Am liebsten würden sie das Wort Rassismus abschaffen, denn sie sind sich sicher, dass sie – individuell – niemals bewusst rassistisch agieren würden und, dass es nicht notwendig ist, über Rassismus zu sprechen. Das sind in meinem Bekanntenkreis in der Regel diejenigen Personen, die keine Notwendigkeit hatten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Weil Rassismus nichts mit ihnen zu tun hatte. Menschen, die das Privileg haben, zu sagen: achten wir nicht auf die Farben! Schwarze Menschen oder People of Color haben in Österreich selten dieses Privileg.

Eine kleine Checkliste weißer Privilegien könnte so aussehen:

  • Nicht gefragt zu werden, wo Du wirklich herkommst.
  • Nicht  „überempfindlich“ oder „überreagierend“ genannt zu werden, wenn Du darauf hinweist, dass etwas rassistisch ist.
  • Nicht gefragt zu werden, ob Du auch einen Sonnenbrand bekommen können. Oder, ob Du auch erröten kannst.
  • Von fremden Menschen nicht in die Haare gefasst zu werden.
  • Nicht ständig über „Leitkulturen“, „Parallelgesellschaften“ und der Idee eines weißen christlichen Europas lesen zu müssen.
  • Keine vermeintlich wohlwollenden Komplimente über Haut, Haare oder Rhythmusgefühl ausgeteilt zu bekommen.
  • Im Krankenhaus nicht gefragt zu werden, ob Du Stützstrümpfe in „hautfarben“ oder in schwarz bevorzugst.

Wenn Dir nicht in regelmäßigen Abständen diese Fragen gestellt werden, hast Du das Privileg, aufgrund Deiner Hautfarbe nicht ständig als anders, als nicht-dazugehörig und als nicht-zur-Norm-gehörend gesehen zu werden.

Die Liste weißer Privilegien lässt sich leider endlos fortsetzen:

  • Nicht alleine aufgrund Deiner Hautfarbe Ziel von Polizei- und Fahrkartenkontrollen zu sein.
  • Nicht alleine aufgrund Deiner Hautfarbe Opfer von Polizeigewalt zu werden.
Foto Who has a voice

Foto von Mike Von

Wie Rassismus funktioniert, wie tief er in unserer Gesellschaft verankert ist und was er mit den (vor allem) Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die davon betroffen sind macht, lässt sich in einem Workshop nicht einmal ansatzweise nachempfinden. Der kurze Einblick ließ auch so viele der Teilnehmenden erschüttern.

Build Allyships!

Ellen Wagner hat uns in diesem Workshop einen reflexiven und prozessorientierten Raum ermöglicht, in dem wir unseren eigenen Privilegien bewusst werden konnten, und der uns erkennen ließ, wie stark wir uns in Strukturen bewegen, die von Rassismus geprägt sind.

Sie zeigte aber auch auf, wie das Brechen von rassistischen Verhältnissen gelingen kann und dazu braucht es vor allem Allyship und eine gemeinsame Sprache der Solidarität. Solidarität bedeutet mitfühlen und sich für andere stark machenauch ohne eigene Betroffenheit! Solidarität bedeutet auch über Rassismus zu sprechen, den Betroffenen zuzuhören und ihnen zu glauben!

Ellen Wagner glaubt, dass die meisten Menschen wohlwollend und nicht diskriminierend sind. Das Problem liegt jedoch darin, dass diese Menschen zu oft schweigen, anstatt Partei für die Betroffenen zu ergreifen.

Raise your voice!

Wir haben äußerst effektive Werkzeuge zur Sichtbarmachung, zur Repräsentation! Diese sollten wir auch gegen Unterdrückung und Ausgrenzung einsetzen!