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Lasst uns über die Menstruation reden

Reflexion und Interview: Lisa Lugerbauer, Fotos: Alexandra Stanić

Die wenigsten Frauen sprechen offen über das, was monatlich mit ihrem Körper passiert. Dabei könnte das Tabu Menstruation längst gebrochen sein.

Die Menstruation ist ein „körperliches Wunder“, das Frauen um die ganze Welt beschäftigt. Auch wenn uns die Schmerzen während der Regel oftmals mehr als Fluch, statt als Segen erscheinen, dürfen wir nicht vergessen, dass sie der Ursprung allen menschlichen Lebens ist. Kein Kind wäre jemals geboren worden, würde es die Menstruation, die Regel, die Periode, die Tage, die Erdbeerwoche oder wie sie auch sonst noch genannt wird, nicht geben.

Plastikrascheln des tampons

Trotzdem schleicht so manche Frau mit einem Tampon in der Tasche auf die Toilette, um möglichst leise den alten O.b. im Mülleimer zu entsorgen, während sie das Plastikrascheln beim Auspacken des neuen Tampons mit einem Hüsteln übertönt. Zusätzlich wird der Vorgang im Eiltempo erledigt um keinen “Verdacht” zu erwecken. „Period Shaming“ ist allgegenwärtig, der Grund jedoch unverständlich. Woher kommt diese Scham? Weshalb fällt es so schwer die monatlichen Beschwerden mit anderen zu besprechen – selbst im eigenen Freundeskreis und mit PartnerInnen? Und wieso wissen Österreichs Jugendliche so schlecht über die Menstruation Bescheid?

Mythos periode

Die Periode ist ein Tabu, seit sich Frauen mit ihr beschäftigen: In der Schule kommt es immer noch zu lautem Gekicher, liegt ein verlorener Tampon am Boden. Teilweise versauen sich junge Mädchen lieber ihre Unterhosen, als eine Freundin oder eine Lehrerin um eine Binde oder einen Tampon zu fragen. Der einzige Zeitpunkt, an dem doch über die Regelblutung gesprochen wird, ist im Sportunterricht oder besser gesagt davor, um dem Sportunterricht fernbleiben zu dürfen.
Kein Wunder also, dass die meisten Jugendlichen keine Ahnung haben, was denn nun die Regelblutung genau ist. Laut Standard glauben ganze 53 Prozent der befragten Buben, die Menstruation diene der Verhütung. Selbst im Alter junger Erwachsener wissen viele nichts von der Existenz einer Menstruationstasse oder deren Verwendungsweise. 
Zudem kursieren im Internet viele Mythen und Behauptungen rund um die Regelblutung, die nicht stimmen und besonders jungen Mädchen Angst bereiten. So finden sich auf Google ganze 11.300 Ergebnisse zu der Frage, ob man an der Menstruation verbluten kann.

marathonlauf ohne tampon

Diesem Unwissen muss schleunigst ein Ende gesetzt werden. Sei es mit einer ausführlicheren Sexualkunde in der Schule oder eigenständigen Aufklärungsprogrammen. Es ist wichtig, offen über die Regelblutung zu sprechen, mediale Beiträge zu diskutieren und einen regelmäßigen Austausch zu etablieren. Denn wie soll eine offene Kommunikation zur Periode jemals in Entwicklungsländern funktionieren, wenn sogar die westliche Welt daran versagt?

Frauen stoßen zwar immer noch auf Unverständnis seitens der Gesellschaft, sprechen sie offen über ihre Regel, die angeekelten Kommentare und die „gut gemeinten Ratschläge“ nehmen aber ab. Als Spitzensportlerin Jazmin Sawyer im vergangenem Juni einen entscheidenden Wettkampf in Boston abbrechen musste, klärte sie die Öffentlichkeit auf ihrem privaten Twitter-Account über den Grund auf: den Beginn ihrer Periode und die damit einhergehenden Schmerzen. Der Beitrag wurde über 500 Mal geretweetet und mit 2400 Likes versehen. Auch Marathonläuferin Kiran Gandhi bekam für den London Marathon ohne Tampon – trotz ihrer Regelblutung – viel positives Feedback auf ihren erklärenden Blogbeitrag. Für Sportlerinnen ist die Menstruation ein besonders wichtiges Thema, da die Beschwerden, die mit der monatlichen Blutung einhergehen, zu einer Verringerung der Leistungsfähigkeit führen können. Auch das muss öffentlich gesagt werden dürfen, ohne zynische und beleidigende Kommentare von sowohl Männern als auch verständnislosen und ignoranten Frauen zu ernten.


Interview

Alexandra Stanić: “Alles, was Männer können, können Frauen blutend”

Auch einige Frauen in Österreich sprechen offen über ihre Menstruation. Eine davon ist Alexandra Stanić. Mit bewegenden Texten auf ihrem Blog und der Fotostrecke „It’s all about our blood“ will die in Wien lebende Journalistin und Fotografin das Tabu Menstruation brechen. 

Alexandra Stanić greift Tabus auf.

Warum ist es dir wichtig, über die Menstruation zu sprechen?
Weil die Periode noch immer ein gesellschaftliches Tabu ist – dieses Tabu möchte ich brechen. Keine Frau muss sich für ihre Menstruation schämen oder sich deswegen schmutzig fühlen. Sie ist das Natürlichste der Welt und darüber muss man doch bitte öffentlich reden können, ohne dass sich jemand davor ekelt oder irgendwer irgendein dummes Kommentar à la „ch, deswegen bist du so schlecht gelaunt“ von sich gibt.

Hast du schon immer über die Regel gesprochen oder zunächst wie die meisten Jugendlichen kein Wort darüber verloren?
Nein, ehrlich gesagt habe ich nicht immer offen darüber geredet. Ich weiß noch, dass ich eine Freundin hatte, mit der ich stundenlang telefoniert habe, weil ich nicht wusste, wie ich mir einen Tampon richtig einführen soll, ohne, dass es weh tut. Sie war älter und hatte mehr Erfahrung. Ich war 16 und wollte unbedingt ins Schwimmbad, weil es so heiß war. In der Schule habe ich – wie die meisten Mädchen – Tampons und Binden heimlich eingesteckt, als ich aufs Klo gegangen bin. Meine Menstruation war mir furchtbar peinlich und meine größte Sorge war Monat für Monat, dass meine Hose blutig sein könnte oder dass im Schwimmbad das türkise Schnürchen des Tampons zu sehen sein könnte. Obwohl meine Mutter da einen sehr offenen Umgang gepflegt hat, hat mir mein restliches soziales Umfeld suggeriert, dass man über die Regel nicht spricht – schon gar nicht vor Männern. Erst als ich mich mit Feminismus und Body Positivity auseinandergesetzt habe, ist mir klar geworden, dass das ein völlig falscher Ansatz ist.

Was möchtest du mit deinen Fotos bewirken und worauf achtest du bei ihnen?
Mädchen und Frauen müssen verstehen: Alles, was Männer können, können Frauen, während wir bluten. Ich möchte eine Plattform bieten, um öffentlich über dieses gesellschaftliche Tabu zu sprechen. Bei meinen beiden anderen Fotoprojekten „#grlpwr – support your local girl gang“ und „Young Rebels“ ist es mir auch ein Anliegen, über Themen zu sprechen, die viel zu selten angesprochen werden, dazu zählen Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe und/oder aufgrund des Geschlechts, Essstörungen, Panikattacken, selbstverletzendes Verhalten, veraltete Geschlechterrollen, Gender Gap oder ein völlig verzerrtes Frauenbild. Ich möchte mehr liefern als schöne Bilder. Meine Fotos sollen eine Message weitergeben. Bei „It’s all about our blood“  geht es mir vor allem um Menstruation und Selbstliebe. Bei der Umsetzung will ich intime Momente einfangen. Ich nehme mir Zeit, damit sich die Frauen wohl fühlen, ich möchte Vertrauen schaffen. Ich benutze bei der Fotostrecke kein Photoshop. Damit das Ganze  auch möglichst viel Inhalt hat, interviewe ich die Frauen zu ihrer Erfahrung und zu ihrer Einstellung zur monatlichen Blutung. Dass die Fotos ästhetisch sind, ist mir natürlich trotzdem wichtig.

Wie war das bisherige Feedback zu „It’s all about our blood“?
Durchgehend positiv! Zu 90 Prozent schreiben mir Frauen, wie wichtig es ist, dass man offen über die Regel redet. Aber mich haben auch viele Männer angesprochen, die das Projekt klasse finden.

Die Autorin

Lisa Lugerbauer (22) macht nach ihrem BA in Publizistik nun ihren MA in Zeitgeschichte und Medien an der Uni Wien. Nebenbei schreibt sie über Politik, Popkultur, Gesellschaft und Naturschutz bis hin zu Drohnen. Als offener Menschen versteht sie nicht, warum so wenig über relevante Themen wie die Menstruation oder auch über Krankheiten geredet wird.
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