Wann?

16/09/2026    
19:00 - 21:00

Where

Buchcafé Vox Libri
Jörgerstraße 26, Wien, Wien , 1170, Wien
Map Unavailable

THE:Salon Sorority X Jacqueline Harpman

Ich, die ich Männer nicht kannte

 
In ihrem meisterhaften, dystopischen Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte“ (Originaltitel: Moi qui n’ai pas connu les hommes, 1995) entwirft die belgische Autorin Jacqueline Harpman ein radikales und tief berührendes Gedankenexperiment über Weiblichkeit, Isolation und das Wesen des Menschseins.
  

Die Geschichte beginnt in der absoluten Enge: Vierzig Frauen leben seit Jahren gefangen in einem unterirdischen, sterilen Käfig, bewacht von stummen, unnahbaren Männern, die ihnen nur das Nötigste zum Überleben geben. Unter ihnen befindet sich die namenlose Erzählerin. Als jüngste der Gruppe unterscheidet sie sich fundamental von den anderen: Sie hat keinerlei Erinnerungen an die Zeit vor dem Käfig. Sie kennt keine Natur, keine gesellschaftlichen Strukturen, keine Zärtlichkeit und – wie der Titel bereits andeutet – keine Männer als menschliche Gegenüber, sondern nur als gesichtslose Wärter.

Als ein plötzlicher Alarm die Wärter zur Flucht zwingt und die Käfigtür offenbleibt, gelingt den Frauen der Ausbruch. Doch die vermeintliche Freiheit entpuppt sich als eine ganz neue Form der Isolation.

Ein leiser, aber erzählerisch gewaltiger Roman über eine weibliche Schicksalsgemeinschaft. Er stellt die zeitlose Frage, was vom Menschen übrig bleibt, wenn man ihm jegliche Kultur, Geschichte und Wärme entzieht – und zeigt gleichzeitig, dass selbst in der absoluten Sinnlosigkeit das Bedürfnis nach Bindung und gegenseitigem Halt das Letzte ist, was uns verlässt.
  
Let´s talk about it!

  
»Harpmans Buch kann als Variation von Margaret Atwoods „Der Report der Magd“ (ein Fall extremer patriarchalischer Gewalt) gelesen werden, als antifeministische Beschreibung dessen, wie Frauen Männer brauchen, um zu überleben, als Geschichte einer Gruppe von Überlebenden in einer postapokalyptischen Landschaft, als Bekräftigung der Notwendigkeit, seine Geschichte zu erzählen, […] schließlich als Echo der Auschwitz-Erfahrung der Autorin. Das Geniale an diesem Buch ist jedoch, dass es zwar mit all diesen möglichen Hintergründen spielt, aber voller Details ist, die jede dieser Lesarten zunichtemachen. Es gibt keine Erklärung dafür, was wirklich vorgefallen ist, nur die Beschreibung wachsender Verzweiflung und Einsamkeit.« – Slavoj Žižek

Jacqueline Harpman, 1929 in Etterbeek, Belgien, geboren, ist eine der großen Stimmen der französischsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Ihre Familie musste vor den Nationalsozialisten nach Casablanca fliehen und konnte erst nach dem Krieg in ihre Heimat zurückkehren. Nach einem Studium der französischen Literatur begann sie eine Ausbildung zur Ärztin, die sie jedoch aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung nicht abschließen konnte, und wandte sich dem Schreiben zu. Im Jahr 1980 machte sie ihren Abschluss als Psychoanalytikerin. Harpman schrieb über 15 Romane und gewann zahlreiche Literaturpreise.

  

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Wir bitten ausdrücklich darum, dass alle Interessierten das Buch im Vorhinein bereits gelesen haben, da es im Buchclub darum geht, sich über den Inhalt auszutauschen und in der Runde zu diskutieren.